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BraunbÀr
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Der BraunbÀr (Ursus arctos) gehört zu den SÀugetieren aus der Familie der BÀren (Ursidae). In Eurasien und Nordamerika kommt er in mehreren Unterarten vor, darunter EuropÀischer BraunbÀr (U. a. arctos), GrizzlybÀr (U. a. horribilis) und KodiakbÀr (U. a. middendorffi).
Als eines der gröĂten an Land lebenden Raubtiere der Erde spielt er in zahlreichen Mythen und Sagen eine wichtige Rolle. Er wurde als Nahrungskonkurrent und GefĂ€hrder des Menschen vielerorts dezimiert oder ausgerottet. So gibt es in West- und Mitteleuropa nur noch Reliktpopulationen. Innerhalb des deutschen Sprachraums lebt nur in Ăsterreich dauerhaft eine kleine Gruppe. In den Alpen wandern einzelne Tiere umher.
Contents
âą Beschreibung
âą Kopf und Sinne
âą GliedmaĂen
âą Fell
âą Lebensraum
âą Lebensweise
âą Winterschlaf
âą Nahrung
âą Fortpflanzung
âą Systematik
âą Literatur
âą Weblinks
âą Einzelnachweise
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Beschreibung
BraunbĂ€ren haben den stĂ€mmigen, kraftvollen Körperbau aller BĂ€ren, ihr Skelett ist aber in der Regel stĂ€rker gebaut als das anderer Vertreter ihrer Familie. Merkmale, die sie mit den ĂŒbrigen Vertretern ihrer Familie teilen, sind der Penisknochen (Baculum) und der kurze, stummelartige Schwanz. Ein artspezifisches Merkmal ist der muskulöse Buckel ĂŒber den Schultern, der den Vorderbeinen zusĂ€tzliche Kraft verleiht.
Kopf und Sinne
BraunbĂ€ren haben wie alle BĂ€ren einen schweren, massiven Kopf mit vorstehender Schnauze. Im Gegensatz zum oft Ă€hnlich gefĂ€rbten Amerikanischen SchwarzbĂ€ren ist die Stirn deutlich höher und die Schnauze nach innen gewölbt (=konkav). Die Ohren sind abstehend und abgerundet, die Augen hingegen sehr klein. Dementsprechend ist auch der Gesichtssinn unterentwickelt, der Gehörsinn ist durchschnittlich, der Geruchssinn hingegen sehr gut ausgeprĂ€gt. Die Halswirbel weisen eine groĂe Drehbarkeit auf, der Nacken ist allerdings kĂŒrzer als beim nahe verwandten EisbĂ€ren.
ZĂ€hne und Verdauungstrakt
BraunbĂ€ren haben im bleibenden Gebiss 42 ZĂ€hne. Die Zahnformel lautet 3/3-1/1-4/4-2/3; pro KieferhĂ€lfte haben sie also drei Schneide-, einen Eck-, vier Vorbacken- und zwei (Oberkiefer) beziehungsweise drei (Unterkiefer) BackenzĂ€hne. Die Tiere weisen die fĂŒr viele Raubtiere typischen vergröĂerten EckzĂ€hne auf, die BackenzĂ€hne sind als Anpassung an die Pflanzennahrung mit breiten, flachen Kronen versehen.
Wie bei allen Raubtieren (Carnivora) ist der Verdauungstrakt der BraunbÀren einfach gebaut. Der Magen ist einhöhlig, der Blinddarm fehlt. Der Darm ist 7 bis 10 Meter lang und somit lÀnger als bei rein fleischfressenden Carnivoren.
GliedmaĂen
Die GliedmaĂen sind lang und krĂ€ftig, wobei die Vorder- und HinterextremitĂ€ten annĂ€hernd gleich lang sind. Die Knochen des Unterarms (Elle (Ulna) und Speiche (Radius)) beziehungsweise Unterschenkels (Schien- (Tibia) und Wadenbein (Fibula)) sind getrennt, was zu einer starken Drehbarkeit fĂŒhrt. Die FĂŒĂe sind groĂ und haben auf der Unterseite schwere, behaarte Ballen. Vorder- und HinterfĂŒĂe haben jeweils fĂŒnf Zehen, die in bis zu 8 Zentimeter langen, nicht einziehbaren Krallen enden. Bei der Fortbewegung wird der FuĂ jeweils mit der ganzen Sohle aufgesetzt, BraunbĂ€ren sind also wie alle BĂ€ren SohlengĂ€nger.
Fell
Das Fell der BraunbĂ€ren ist ĂŒblicherweise dunkelbraun gefĂ€rbt, kann aber eine Vielzahl von Farbschattierungen annehmen. Die Variationen reichen dabei von gelb- und graubraun ĂŒber verschiedene Brauntöne bis fast schwarz. Tiere in den Rocky Mountains weisen oft ein weiĂgrau gesprenkeltes Oberfell auf, dieser grĂ€ulichen (engl. âgrizzlyâ) FĂ€rbung verdankt die Unterart der GrizzlybĂ€ren ihren Namen. Das Haarkleid der BraunbĂ€ren ist generell durch ein dichtes Unterhaar charakterisiert, die Deckhaare sind lang. Das Fell ist jahreszeitlichen VerĂ€nderungen ausgesetzt, das fĂŒr die kalten Monate angelegte Winterfell ist dicht und rau und erweckt einen zotteligen Eindruck.
Abmessungen und Gewicht
Die KopfrumpflÀnge dieser Tiere liegt zwischen 100 und 280 Zentimetern, die Schulterhöhe betrÀgt rund 90 bis 150 Zentimeter. Der Schwanz ist nur rund 6 bis 21 Zentimeter lang. Das Gewicht variiert je nach Verbreitungsgebiet sehr stark, wobei aber in allen Populationen die MÀnnchen deutlich schwerer als die Weibchen sind.
Die schwersten BraunbĂ€ren sind die KodiakbĂ€ren, die an der SĂŒdkĂŒste Alaskas und auf vorgelagerten Inseln wie Kodiak leben. Sie können ein Gewicht von bis zu 780 Kilogramm erreichen, wobei das Durchschnittsgewicht der MĂ€nnchen aber nur bei 389 Kilogramm und bei Weibchen 207 Kilogramm liegt. BraunbĂ€ren im Landesinneren Alaskas sind deutlich leichter, das Durchschnittsgewicht liegt hier bei 243 Kilogramm fĂŒr MĂ€nnchen und 117 Kilogramm bei Weibchen. Weiter sĂŒdlich in Nordamerika (in Kanada und dem nordwestlichen Kerngebiet der USA) betrĂ€gt das Gewicht der MĂ€nnchen 140 bis 190 Kilogramm, das der Weibchen 80 bis 130 Kilogramm. In Nordeuropa und Sibirien wiegen BraunbĂ€ren durchschnittlich 150 bis 250 Kilogramm, in SĂŒdeuropa sind sie deutlich leichter, nur rund 70 Kilogramm. In Asien nimmt ihr Gewicht nach Osten hin zu, die Tiere auf der Halbinsel Kamtschatka erreichen wiederum 140 bis 320 Kilogramm.
Verbreitung und Lebensraum
UrsprĂŒngliche Verbreitung
Nordamerika wurde erst zu Ende des PleistozĂ€ns vor etwa 14.000 Jahren ĂŒber die damalige LandbrĂŒcke Beringia durch BraunbĂ€ren besiedelt.cite-ref-1[1] Das Verbreitungsgebiet der BraunbĂ€ren nach Ende der jĂŒngsten Kaltzeit umfasste weite Teile Nordamerikas, Eurasiens und Nordafrikas. BraunbĂ€ren lebten im gesamten westlichen und mittleren Teil Nordamerikas bis zur Höhe der Hudson Bay und sĂŒdwĂ€rts bis in das nördliche Mexiko. In Eurasien kamen sie von Westeuropa bis zur sibirischen OstkĂŒste und zum Himalaya vor, sie fehlten lediglich auf dem Indischen Subkontinent und in SĂŒdostasien. In Afrika waren sie im Atlasgebirge beheimatet.
Heutige Verbreitung und Bestandsentwicklung
Durch Bejagung und die Zerstörung ihres Lebensraumes wurde das Verbreitungsgebiet der BraunbĂ€ren stark eingeschrĂ€nkt. In vielen Regionen sind BraunbĂ€ren ausgestorben, in GroĂbritannien beispielsweise bereits im 10. Jahrhundert, in Deutschland und dem nordafrikanischen Atlasgebirge im 19. Jahrhundert, in Mexiko und weiten Teilen der USA im 20. Jahrhundert. In West- und Mitteleuropa gibt es nur noch Reliktpopulationen, ebenso im Kernland der USA, wo sie nur mehr im nordwestlichen Landesteil leben. Auch in SĂŒdwestasien und Teilen Nord- und Osteuropas hat ihre Anzahl deutlich abgenommen. GröĂere Populationen gibt es noch in Alaska, dem westlichen Kanada und in Nordasien. Durch Auswilderung von BĂ€ren aus anderen Gebieten wird versucht, besonders gefĂ€hrdete Gruppen wieder aufzustocken. Dass sich der weltweite Bestand des BraunbĂ€ren auf 185.000 bis 200.000 Tiere verlĂ€uft, war eine 2023 veröffentlichte Annahme des WWF,cite-ref-2[2] die die Zunahme der Populationen in Russland (um 170.000) wie Japan nicht berĂŒcksichtigte: Demnach ist weltweit von etwa 380.000 Tieren auszugehen.
Deutschland
In Deutschland gibt es keine wildlebenden BraunbĂ€ren mehr. Bereits im Mittelalter wurden sie in waldreiche und schwer zugĂ€ngliche Gebiete zurĂŒckgedrĂ€ngt. Der letzte BĂ€r im Harz wurde Ende des 17. Jahrhunderts geschossen, in ThĂŒringen Mitte des 18. Jahrhunderts und in Oberschlesien 1770. Im Bayerischen Wald töteten in der Umgebung von Zwiesel die GebrĂŒder Forster von 1760 bis 1800 noch etwa 60 BĂ€ren. Der 1835 in Ruhpolding erlegte BraunbĂ€rcite-ref-3[3] soll der letzte BraunbĂ€r Deutschlands gewesen sein. Der BĂ€renfang auf dem GroĂen Waldstein im Fichtelgebirge erinnert an die Jagd auf den BraunbĂ€ren.
Mit der Einwanderung beziehungsweise Wiederansiedlung der BĂ€ren in Ăsterreich ist auch die Frage nach der möglichen Etablierung einer Population in Deutschland wieder aktuell geworden. Im Jahr 2005 hatte der Naturschutzbund Deutschland (NABU) den BraunbĂ€ren zum Wildtier des Jahres erklĂ€rt.
TatsĂ€chlich zeigte sich im Mai und Juni des Jahres 2006 erstmals seit rund 170 Jahren wieder ein BraunbĂ€r in Deutschland: JJ1, spĂ€ter in der Presse Bruno oder auch ProblembĂ€r Bruno genannt, wanderte wochenlang in der deutsch-österreichischen Grenzregion umher. Er riss einige Nutztiere und war öfter in der NĂ€he menschlicher Siedlungen zu sehen. Daraufhin wurde das Tier zeitweilig zum Abschuss freigegeben, was jedoch auf Druck der Ăffentlichkeit zunĂ€chst wieder zurĂŒckgezogen wurde. Die daraufhin erfolgten Versuche, den BĂ€ren lebend zu fangen, wurden nach drei erfolglosen Wochen eingestellt. Am 26. Juni wurde der BĂ€r in der NĂ€he des Spitzingsees erschossen.
Am 1. Oktober 2019 wurde die Gegenwart eines BraunbĂ€ren im AllgĂ€u anhand von Exkrementen durch eine Touristin nachgewiesen. Eine Woche spĂ€ter wurde der BĂ€r mittels einer Fotofalle im Landkreis Garmisch-Partenkirchen abgelichtet.cite-ref-4[4] Der junge BĂ€r machte sich offenbar im FrĂŒhsommer von Trentino in Italien ĂŒber Ăsterreich, wo er drei Schafe riss, auf den Weg in Richtung Deutschland.cite-ref-5[5]
Von Jahresbeginn 2023 bis Juni gab es ungefĂ€hr ein Dutzend bestĂ€tigte Meldungen von BĂ€ren. Die Meldungen kommen aus SĂŒddeutschland. ZwischenfĂ€lle mit dem Menschen gab es Stand jetzt nicht. Im April 2023 wurden im Landkreis Rosenheim zwei Schafe getötet.cite-ref-6[6]
Siehe auch
:
BĂ€rendenkmal (Ramberg)
Ăsterreich
In Ăsterreich waren die BĂ€ren ebenfalls Mitte des 19. Jahrhunderts ausgerottet. Vereinzelt gab es in den 1950er- und 1960er-Jahren in KĂ€rnten Nachweise von BĂ€ren, die aus dem damaligen Jugoslawien zugewandert waren. Im Jahr 1972 lieĂ sich ein junges mĂ€nnliches Tier in der Ătscher-Region im sĂŒdwestlichen Niederösterreich nieder, in jener Gegend, in der die letzten Exemplare im 19. Jahrhundert geschossen worden waren. Dieses Tier wurde unter dem Namen âĂtscherbĂ€râ bekannt. 1989 wurde in der Region ein aus Kroatien stammendes Weibchen ausgesetzt, und 1991 kamen drei Jungtiere zur Welt. Mit der Aussetzung zweier weiterer Tiere in den Jahren 1992 und 1993 wurde das Wiederansiedlungsprojekt fortgesetzt.
In jener Zeit kam es zu ersten gröĂeren Schadensmeldungen wie gerissenen Schafen und geplĂŒnderten Fischteichen, die bei der lokalen Bevölkerung fĂŒr Skepsis und Ablehnung des Projektes sorgten; österreichische Medien prĂ€gten den Begriff âProblembĂ€râ. Eine âEingreiftruppeâ wurde gegrĂŒndet, welche die BĂ€ren, die sich öfter in der NĂ€he menschlicher Siedlungen blicken lieĂen, mit WarnschĂŒssen verjagte.
Seit 1998 wurden jedes Jahr Jungtiere gesichtet, vereinzelt kam es auch zu Zuwanderungen aus Slowenien, so dass bis vor kurzem eine kleine, aber stabile Population von 25 bis 30 Tieren bestand. Die meisten davon lebten im niederösterreichisch-steirischen Grenzgebiet, vorwiegend im Naturpark Ătscher-TormĂ€uer â in den nördlichen Kalkalpen wurden in den letzten 18 Jahren 35 Individuen nachgewiesen, 1999 war ein Maximalbestand von 12 Tieren vorhandencite-ref-sn-130808-7-0[7] â und eine kleine Gruppe auch im sĂŒdlichen KĂ€rnten, in den Karnischen und Gailtaler Alpen und den Karawanken. Im Jahr 2002 wurde auĂerdem ein aus dem Trentino eingewandertes Exemplar in Tirol gesichtet. Ein weiterer BraunbĂ€r in Tirol war der oben erwĂ€hnte âJJ1â im Jahr 2006. Im Oktober 2008 wurde der BĂ€r âMJ4â im Stubaital gesichtet â der zuletzt im SĂŒdtiroler Sarntal angetroffen wurde.cite-ref-8[8]
Trotz gelegentlicher SchĂ€den an Haustieren und Bienenstöcken ist die Anwesenheit von BraunbĂ€ren in Ăsterreich heute von der Bevölkerung weitgehend akzeptiert. Drei eigens beauftragte âBĂ€renanwĂ€lteâ sollen in BĂ€renregionen die Akzeptanz der Tiere fördern und bei der KlĂ€rung von SchadensfĂ€llen helfen.
2004 wurde das LIFE Nature Co-op Projekt ins Leben gerufen, das, von der EU unterstĂŒtzt, versucht, im Alpenraum den BraunbĂ€ren wieder anzusiedeln. Beteiligt sind die LĂ€nder Italien mit den Regionen Trentino und Friaul, Ăsterreich mit KĂ€rnten, Nordösterreich, Oberösterreich und Steiermark, sowie Slowenien. Im Rahmen des Projektes sollen die im Alpenraum ansĂ€ssigen Teilpopulationen des BraunbĂ€ren zu einer sogenannten Metapopulation vernetzt werden, die es den Tieren ermöglichen soll, sich untereinander zu vermehren und selbststĂ€ndig zu ĂŒberleben.cite-ref-9[9]
Mit Jahreswechsel 2007/2008 gab der WWF Ăsterreich bekannt, dass nur mehr 4 der etwas ĂŒber 30 seit 1991 in Ăsterreich geborenen BraunbĂ€ren auffindbar sind. Mehrere illegale AbschĂŒsse wurden bekannt (zuletzt im Dezember 2007 ein Jungtier, das vom Bundeskriminalamt sichergestellt wurde), der Verbleib der restlichen Tiere ist unklar. Ohne SchutzmaĂnahmen ist der Fortbestand des BraunbĂ€ren in Ăsterreich gefĂ€hrdet. Das brĂ€chte Ăsterreich nicht nur in den zweifelhaften Ruf, dass ein Tier gleich zweimal ausgerottet worden wĂ€re,cite-ref-sn-130808-1-10-0[10] es wĂŒrde auch die Wiederansiedlung des BraunbĂ€ren â zumindest in den österreichischen Ostalpen, in den Kalkalpen leben heute nurmehr zwei Tiere â langfristig in Frage stellen: Eine Richtlinie der Internationalen Naturschutzunion (IUCN) fordert, dass vor einer neuerlichen Aussendung einer Art die âIdentifizierung und Beseitigung der ursprĂŒnglich fĂŒr den Niedergang verantwortlichen Faktorenâ notwendig sei â und das Verschwinden der österreichischen BĂ€ren ist insgesamt ungeklĂ€rt.cite-ref-sn-130808-7-1[7]
Seit 2011 wird diese Population in Ăsterreich als erloschen angesehen, womit gegenwĂ€rtig keine österreichische BĂ€renpopulation mehr besteht. Die immer wieder in Ăsterreich vorkommenden Tiere sind einzelne Individuen, die aus dem benachbarten Ausland einwandern.cite-ref-11[11]
Im Jahr 2012 wurden im österreichisch-schweizerischen Grenzgebiet mehrfach zwei aus Italien zugewanderte BĂ€renbrĂŒder, als âM12â und âM13â bezeichnet, gesichtet.cite-ref-m12-m13-tirol-12-0[12] âM12â wurde im Juni 2012 in SĂŒdtirol ĂŒberfahren.cite-ref-m12-ueberfahren-13-0[13] âM13â wurde in GraubĂŒnden, unmittelbar nachdem er aus dem Winterschlaf erwacht war, Ende Februar 2013 erschossen.cite-ref-m13-erschossen-1-14-0[14]cite-ref-m13-erschossen-2-15-0[15]
Im Mai 2014 kam abermals ein BraunbĂ€r, der als âM25â bezeichnet wird, nach Tirol, der im schweizerisch-österreichischen Grenzgebiet umherwanderte. Es handelte sich um ein zweijĂ€hriges MĂ€nnchen aus dem Trentino.cite-ref-m25-orf-16-0[16]cite-ref-m25-kurier-17-0[17] Die Berichterstattung war sehr unterschiedlich geprĂ€gt: WĂ€hrend die Tageszeitung Kurier unter âIn Tirol ist der BĂ€r losâ einen eher positiv gehaltenen Artikel veröffentlichte,cite-ref-m25-kurier-17-1[17] titelte der ORF Tirol âBĂ€r âM25â treibt sich bei Nauders herumâ und spekulierte â⊠er soll aber bereits SchĂ€den verursacht habenâ.cite-ref-m25-orf-16-1[16] Nach wenigen Tagen verlieĂ der BĂ€r Ăsterreich und wanderte ĂŒber die Schweiz zurĂŒck nach Italien.cite-ref-m25-graub-nden-18-0[18]
Im Bericht nach Artikel 17 der Richtlinie 92/43/EWG fĂŒr den Berichtszeitraum 2007â2012 hat Ăsterreich fĂŒr diese in der EuropĂ€ischen Union streng zu schĂŒtzende Art einen schlechten Erhaltungszustand bei weiterer Verschlechterung angegeben, nachdem bereits in der vorangegangenen Berichtsperiode ein schlechter Erhaltungszustand festgestellt worden war.cite-ref-art17at-19-0[19]
Schweiz
Der bis vor kurzem letzte Abschuss eines BĂ€ren in der Schweiz erfolgte 1904 im Unterengadin, an der SĂŒdflanke des Piz Pisoc. 1923 gab es noch einmal eine Sichtung. Eine Studie im Anschluss an das österreichische Wiederansiedlungsprojekt aus dem Jahr 1993 zeigte, dass es auch in der Schweiz geeignete LebensrĂ€ume fĂŒr BĂ€ren gibt.
TatsĂ€chlich wanderte im Juli 2005 ein BĂ€r aus dem italienischen Trentino ins Val MĂŒstair ein, es war âJJ2â, genannt âLumpazâ.cite-ref-espace-20-0[20] Dadurch wurden neue Diskussionen ĂŒber die Möglichkeit einer Etablierung einer Schweizer BraunbĂ€rpopulation entfacht. Das Bundesamt fĂŒr Umwelt (BAFU) hat ein âKonzept BĂ€r Schweizâ verfasst. Darin ist eine prinzipiell positive Grundeinstellung zur Wiederansiedlung der BraunbĂ€ren unter BerĂŒcksichtigung aller möglichen Konsequenzen und Risiken festgeschrieben. BĂ€ren, die fĂŒr Menschen gefĂ€hrliches Verhalten zeigen, können als RisikobĂ€ren eingestuft und abgeschossen werden.cite-ref-21[21]
Ein weiterer BĂ€r, der Bruder von JJ1 (alias Bruno) und âJJ2â, âJJ3â genannt, wurde im April 2008 aufgrund seiner fehlenden Scheu vor Menschen in GraubĂŒnden erlegt.cite-ref-espace-20-1[20] Gleichzeitig hielt sich noch ein weiteres Tier, der menschenscheue âMJ4â, das wie JJ3 ebenfalls im Sommer 2007 einwanderte, in GraubĂŒnden auf. Es verlieĂ die Schweiz jedoch noch im FrĂŒhling 2008 in Richtung Italien. Im Juni 2010 wanderte erneut ein BĂ€r in die Schweiz ein.cite-ref-22[22]
Mit âM25â wanderte im Mai 2014 abermals ein BraunbĂ€r nach GraubĂŒnden, der sich in weiterer Folge im schweizerisch-österreichischen Grenzgebiet aufhielt. Das zweijĂ€hrige besenderte MĂ€nnchen stammte aus dem Trentino. Der BĂ€r hielt sich nur kurze Zeit in der Schweiz auf und wanderte Ende Mai 2014 zurĂŒck nach Italien.cite-ref-m25-graub-nden-18-1[18] Innerhalb eines Monats sammelte der WWF Schweiz 22.509 Unterschriften fĂŒr seine Petition âViva M25â, mit der die Behörden dazu aufgefordert wurden, den BraunbĂ€ren nicht wie seine VorgĂ€nger töten zu lassen.cite-ref-m25-petition-24-0[24] Im August 2014 riss er in Puschlav zwei Esel auf der Weide.cite-ref-25[25]cite-ref-26[26] Am 26. Mai 2017 wurde in Eriz BE ein BraunbĂ€r gesichtet und fotografiert; der BraunbĂ€r ist somit nach 190 Jahren wieder in den Kanton Bern zurĂŒckgekehrt. Es handelt sich vermutlich um das bereits im Kanton Uri gesichtete Tier.cite-ref-27[27] Im Jahr 2017 wurde ein BraunbĂ€r noch zwei weitere Male im Kanton Bern gesichtet, beide Male auf dem Gebiet der Gemeinde Innertkirchen: Im Juli beim Sustenhorn, Anfang September in der NĂ€he des Engstlensees, nĂ€mlich im Gental.cite-ref-28[28]
Italien
In Italien gibt es zwei kleine Gruppen. Die Population im Naturpark Adamello-Brenta im Trentino war bis 2012 wieder auf 43 bis 48 Tiere angewachsencite-ref-29[29] und betrug 2021 um die 100 Exemplare.cite-ref-30[30] Der Bestand dort war vor 1999 auf 3 Tiere geschrumpft. Daher wurden zwischen 1999 und 2002 im Projekt âLife Ursusâ zehn Tiere aus Slowenien dort ausgesiedelt. Die zweite Gruppe im Abruzzen-Nationalpark umfasst rund 30 bis 50 Tiere.cite-ref-wwf-italien-31-0[31] Diese Population unterscheidet sich im SchĂ€delbau von anderen BraunbĂ€ren und könnte darum eine eigene Unterart, Ursus arctos marsicanus, darstellen.cite-ref-32[32]
Nach dem Start des Projektes âLife Ursusâ kam es 2014 zu einer ersten BĂ€renattacke im Trentino, bei der ein Pilzsucher von einer BĂ€rin in Begleitung ihrer Jungtiere verletzt wurde.cite-ref-33[33] Bis 2022 zĂ€hlte man weitere sechs Angriffe auf Menschen im Trentino.cite-ref-34[34] Tödlich endete der Angriff eines BraunbĂ€ren am 5. April 2023 bei der Ortschaft Caldes im Val di Sole, dem ein 26 Jahre alter Jogger zum Opfer fiel.cite-ref-35[35]cite-ref-36[36] Es handelte sich um den ersten dokumentarisch belegten Angriff eines BraunbĂ€ren mit tödlichem Ausgang in Italien und den vierten ĂŒberhaupt in den letzten 150 Jahren in Europa.cite-ref-37[37] DNA-Proben zufolge, soll das Opfer von der 17-jĂ€hrigen BĂ€rin JJ4 angegriffen worden sein. JJ4 entstammt demselben Wurf wie ProblembĂ€r JJ1, alias Bruno.cite-ref-38[38] Voraussichtlich am 25. Mai 2023 wird die Entscheidung des Verwaltungsgerichts erwartet. Noch scheint nicht sicher zu sein, ob JJ4 wirklich die âTĂ€terinâ war.cite-ref-39[39] JJ4 wurde 2025 in den Alternativen Wolf- und BĂ€renpark Schwarzwald ĂŒbersiedelt.cite-ref-40[40]
Ăbriges Europa
Anmerkung: Da BraunbÀren wanderfreudig sind und sich dabei nicht an Landesgrenzen halten, handelt es sich bei den folgenden Zahlen um grobe SchÀtzungen (Stand ist 2006).cite-ref-41[41]
âą In Frankreich leben rund 10 bis 20 BraunbĂ€ren in den PyrenĂ€en, die dortige Population stammt aber komplett von ausgewilderten Tieren ab, der letzte autochthone französische BĂ€r wurde 2004 erlegt.cite-ref-44[44] FrĂŒher gab es auch eine Population in den französischen Alpen, sie ist jedoch in den 1930er-Jahren erloschen.
âą In Spanien gibt es rund 160 Tiere in drei Populationen. SchĂ€tzungsweise 140 Tiere leben im Parque Natural de Somiedo in Asturien, einem Teil des kantabrischen Gebirges unweit der Stadt Oviedo. Eine geringere Population (ca. 25 Tiere) existiert im selben Gebirge im Naturpark Saja-Besaya rund 200 km weiter östlich zwischen Reinosa und Torrelavega in der Provinz Kantabrien. Der Tierbestand in diesen beiden Regionen gilt als stabil, da es sich um unbewohnte Bergregionen ohne DurchgangsstraĂen handelt. Die kleinste Population (etwa ein Dutzend Tiere) lebt in den PyrenĂ€en in einer Grenzregion zwischen Spanien und Frankreich.cite-ref-45[45] (siehe auch unter Frankreich) Man geht davon aus, dass diese Population aussterben wird, da es hier seit lĂ€ngerer Zeit keinen Nachwuchs mehr gibt. Da diese Region auch von Menschen nicht ganz unbewohnt ist, gibt es hier eine Forderung, die Tiere umzusiedeln oder gar auszurotten. NĂ€heres siehe unter Kantabrischer BraunbĂ€r.
âą In der Slowakei (vorwiegend in der Hohen Tatra, der Niederen Tatra, der Kleinen Fatra, der GroĂen Fatra und dem Slowakischen Erzgebirge) leben 700â900 BĂ€ren.
âą In Polen 80.
âą Auf dem Westbalkan gibt es noch gröĂere Populationen, so leben in Slowenien 500 bis 800 Tiere, in Kroatien zwischen 600 und 800 BraunbĂ€ren, dort vorwiegend im Gorski Kotar und in der Lika. An den HĂ€ngen des Velebit-Bergmassives befindet sich das BĂ€renrefugium von Kuterevo. In Bosnien und Herzegowina gibt es derzeit ebenfalls etwa 900 BraunbĂ€ren.cite-ref-48[48] Kleine Gruppen sind auch aus Albanien (250) und Nordmazedonien (90) bekannt. Ăber die jetzige Situation der BraunbĂ€ren in Serbien und Montenegro ist wenig bekannt, laut einer Statistik leben in Serbien etwa 500 StĂŒck.
⹠Auch in Estland, wo sich heute BestÀnde von 700 Tieren aufhalten, ist der BraunbÀr noch immer, bzw. mittlerweile wieder heimisch.
⹠In Lettland gibt es dagegen nur etwa zwölf Tiere.
Russland und Asien
Der Bestand in den LĂ€ndern der frĂŒheren Sowjetunion wurde 1989 auf 130.000 Tiere geschĂ€tzt. In Russland wuchs er auf 296.000 Tiere an (Stand 2024).cite-ref-50[50] Auf der japanischen Insel HokkaidĆ leben 11.600 Tiere (Stand 2023),cite-ref-51[51] in China 6.440 bis 7.570 (SchĂ€tzung 1998),cite-ref-52[52] eine kleine Population gibt es auch in der Mongolei. FĂŒr viele sĂŒdwestasiatische LĂ€nder (wie TĂŒrkei oder Iran) gibt es keine genauen Daten, hier sind die Populationen vermutlich im RĂŒckgang begriffen.
Der Syrische BraunbĂ€r (Ursus arctos syriacus), eine Unterart der BraunbĂ€ren kommt vom Kaukasus bis zum Nahen Osten vor, wobei er in seiner natĂŒrlichen Umgebung akut vom Aussterben bedroht ist.
Afrika
Der AtlasbÀr, die Population im Atlasgebirge, ist im 19. Jahrhundert, vermutlich in den 1870er-Jahren ausgestorben. Genauere Daten gibt es nicht.
Nordamerika
In Mexiko, ursprĂŒnglich ihrem sĂŒdlichsten Verbreitungsgebiet, sind die BraunbĂ€ren wahrscheinlich in den 1960er Jahren ausgestorben. Im Kernland der USA waren BraunbĂ€ren ursprĂŒnglich ĂŒber weite Teile verbreitet, Knochenfunde sind sogar aus Ohio und Kentucky bekannt. Der RĂŒckgang der Populationen begann möglicherweise bereits, als die Indianer dank der von den Spaniern eingefĂŒhrten Pferde ihre Jagdtechniken verfeinerten. Mit der groĂflĂ€chigen Besiedlung des Landes durch EuropĂ€er ging dann ein drastischer RĂŒckgang der Bestandszahlen einher. In den 1920er und 1930er Jahren sind sie aus dem SĂŒdwesten des Landes (Kalifornien, Arizona, Utah) verschwunden. Heute leben rund 1100 bis 1200 Tiere in sechs isolierten Populationen im nordwestlichen Landesteil, im Glacier-Nationalpark, dem Yellowstone-Nationalpark sowie vereinzelt in den Bundesstaaten Montana, Idaho und Washington.cite-ref-53[53]
In Kanada waren BraunbĂ€ren bis ins 19. Jahrhundert in weiten Teilen des Landes verbreitet, ihr Vorkommen reichte in die Great-Plains-Region und sogar bis auf die Halbinsel Labrador. Heute sind sie auf die nördlichen und westlichen Landesteile beschrĂ€nkt und kommen nur mehr in British Columbia, dem westlichen Alberta und den nördlichen Territorien vor. Im dĂŒnn besiedelten Alaska sind BraunbĂ€ren noch relativ hĂ€ufig. Die BraunbĂ€r-Population in Kanada und Alaska wird auf zusammen rund 55.000 Tiere geschĂ€tzt.
Lebensraum
BraunbĂ€ren bewohnen eine Vielzahl von Habitaten. In Amerika bevorzugen sie offenes GelĂ€nde wie Tundra, Bergwiesen und KĂŒstenregionen, frĂŒher waren sie auch in der Great-Plains-Region zu finden. Die verbliebenen Tiere Europas leben hauptsĂ€chlich in bewaldeten Gebirgsregionen, auch in Sibirien sind sie eher in WĂ€ldern als im offenen Terrain zu finden. Solange genĂŒgend Nahrung und Winterquartiere vorhanden sind, sind sie nicht allzu wĂ€hlerisch in Bezug auf ihren Lebensraum. Allerdings benötigen sie auch in offenem GelĂ€nde ausreichend dicht mit Vegetation bestandene Gebiete als RuheplĂ€tze.
Lebensweise
AktivitÀtszeiten und Fortbewegung
Die AktivitĂ€tszeit der BraunbĂ€ren hĂ€ngt von den Umweltbedingungen, der Jahreszeit oder der NĂ€he von Menschen ab. Sie gelten als vorwiegend dĂ€mmerungs- oder nachtaktiv, insbesondere in von Menschen besiedelten Gebieten. Zur Zeit des gröĂten Nahrungsbedarfs, im FrĂŒhling und Herbst, sind sie auch tagsĂŒber auf Nahrungssuche, im Sommer hingegen eher hauptsĂ€chlich in der Nacht.
BĂ€ren sind SohlengĂ€nger und bewegen sich im Passgang fort, das heiĂt, dass beide Beine einer Körperseite gleichzeitig bewegt werden. Normalerweise sind ihre Bewegungen langsam und schleppend, bei Bedarf können sie aber sehr schnell laufen und Geschwindigkeiten von 50 Kilometern pro Stunde erreichen. Sie können auch sehr gut schwimmen. WĂ€hrend Jungtiere noch oft auf BĂ€ume klettern, ist dies ausgewachsenen Tieren aufgrund ihres Gewichtes meist nicht mehr möglich.
Winterschlaf
Da BraunbĂ€ren wĂ€hrend der Wintermonate nicht genug Nahrung finden, begeben sie sich in einen Winterschlaf.cite-ref-54[54] Der Herzschlag und die Atemfrequenz gehen wĂ€hrenddessen deutlich zurĂŒck, die Körpertemperatur sinkt durch ihre groĂe Masse allerdings nur leicht â von normalerweise 36,5 bis 38,5 °C geht sie nur um 4 bis 5 °C zurĂŒck.cite-ref-55[55] WĂ€hrend dieser Zeit nehmen sie weder Nahrung noch FlĂŒssigkeit zu sich, urinieren und defĂ€kieren auch nicht. Um eine Harnvergiftung zu vermeiden, werden AminosĂ€uren statt in Harnstoff in wiederverwertbare AminosĂ€uren umgewandelt. Der Beginn und die Dauer des Winterschlafs hĂ€ngt von den Umweltbedingungen ab. Ăblicherweise beginnt sie zwischen Oktober und Dezember und endet zwischen MĂ€rz und Mai, in den sĂŒdlichen Teilen ihres Verbreitungsgebietes halten sie verkĂŒrzten oder gar keinen Winterschlaf.
Im Herbst haben BraunbĂ€ren einen erhöhten Nahrungsbedarf, sie legen Fettgewebe an, um wĂ€hrend des Winterschlafs nicht zu verhungern. Interessanterweise werden Fette nicht an den GefĂ€ĂwĂ€nden abgelagert, was ihnen ermöglicht, sich ohne Gesundheitsgefahren einen Vorrat anzufressen, BraunbĂ€ren erkranken also nicht an Arteriosklerose. FĂŒr den Eintritt des Winterschlafs spielt auch der SĂ€ttigungsgrad eine Rolle, gut genĂ€hrte Tiere begeben sich frĂŒher zur Ruhe, wĂ€hrend hungrige Tiere lĂ€nger auf Nahrungssuche bleiben, bis sie von der KĂ€lte in ihre Winterquartiere getrieben werden. Der Gewichtsverlust wĂ€hrend der Wintermonate ist bei Weibchen deutlich höher (40 %) als bei MĂ€nnchen (22 %), was auf den höheren Energieaufwand wĂ€hrend der Trag- und SĂ€ugezeit zurĂŒckzufĂŒhren ist.
FĂŒr den Winterschlaf ziehen sie sich in einen Bau zurĂŒck, der oft selbst gegraben und mit trockenen Pflanzen ausgekleidet wird. Manchmal benutzen sie auch natĂŒrliche Höhlen oder Felsspalten. Diese Baue werden an witterungsgeschĂŒtzten Stellen angelegt und oft mehrere Jahre hintereinander verwendet, allerdings verteidigen sie sie nicht gegenĂŒber anderen BraunbĂ€ren.
Sozialverhalten und Kommunikation
BraunbĂ€ren leben in der Regel einzelgĂ€ngerisch. WĂ€hrend der Paarungszeit von April bis August kommt es zu kurzzeitigen Verbindungen, die MĂ€nnchen wollen so verhindern, dass sich die Weibchen mit anderen Tieren fortpflanzen. Die einzige dauerhaftere Bindung ist die der Mutter zu ihrem Nachwuchs. BraunbĂ€ren zeigen kein ausgeprĂ€gtes Territorialverhalten, die Streifgebiete können sich ĂŒberlappen, sie verteidigen ihr Revier auch nicht gegenĂŒber Artgenossen. Bei ĂŒppigen Nahrungsquellen wie fischreichen GewĂ€ssern, beerenbestandenen Gebieten oder MĂŒlltonnen kommt es manchmal zu Ansammlungen dutzender Tiere.
Die ReviergröĂe ist variabel, sie hĂ€ngt unter anderem vom Nahrungsangebot, von der Topographie, vom Alter, Gesundheitszustand oder Geschlecht des Tieres ab. Die Reviere der Weibchen sind deutlich kleiner als die der MĂ€nnchen, vermutlich um die Begegnungsmöglichkeiten mit aggressiven Tieren zu vermindern und so die Jungen zu schĂŒtzen. Die durchschnittliche ReviergröĂe auf der Kodiakinsel betrĂ€gt 24 kmÂČ bei MĂ€nnchen und 12 kmÂČ bei Weibchen, im nördlichen Alaska hingegen wĂ€chst dieser Wert auf 700 bis 800 kmÂČ fĂŒr MĂ€nnchen und 300 kmÂČ fĂŒr Weibchen an. Das Territorium eines MĂ€nnchens ĂŒberlappt ĂŒblicherweise mit dem mehrerer Weibchen, was zu gesteigerten Chancen fĂŒhrt, bei der Fortpflanzung zum Zug zu kommen.
BraunbĂ€ren sind nicht standorttreu, sie unternehmen saisonale Wanderungen zu Orten mit groĂem Nahrungsreichtum. In unberĂŒhrten Gegenden können diese Wanderungen manchmal hunderte Kilometer lang sein.
FĂŒr die Kommunikation der Tiere spielt neben Lauten und Körperhaltungen insbesondere der Geruchssinn die wichtigste Rolle. Individuen, die sich direkt gegenĂŒberstehen, kommunizieren mittels Körperhaltungen: Dominanz wird durch direkte AnnĂ€herung mit gestrecktem Nacken, zurĂŒckgelegten Ohren und prĂ€sentierten EckzĂ€hnen ausgedrĂŒckt, Unterwerfung durch das Senken oder Wegdrehen des Kopfes und durch Niedersetzen, Hinlegen oder Weglaufen. KĂ€mpfe zwischen Artgenossen werden mit Prankenhieben auf Brust oder Schultern oder mit Bissen in den Kopf oder Nacken ausgetragen.
BraunbĂ€ren geben wenig Laute von sich, auĂer wenn sie verwundet sind oder attackiert werden. Jungtiere heulen, wenn sie hungrig oder von der Mutter getrennt sind oder wenn ihnen kalt ist. Es sind keine Laute bekannt, mit denen die Mutter ihre Kinder ruft. Brummende und knurrende Laute sind ein Zeichen fĂŒr Aggression. Puffende Laute, die durch intensives, wiederholtes Ausatmen erzeugt werden, dienen der freundlichen Kontaktaufnahme zwischen Tieren, zum Beispiel bei der Paarung.
Um visuelle oder olfaktorische Hinweise zu geben, scheuern sie sich an BĂ€umen, wĂ€lzen sich am Boden, beiĂen oder kratzen sie Teile der Baumrinde heraus oder urinieren und defĂ€kieren auf den Boden. Diese Zeichen dienen der Kennzeichnung des Reviers, der Signalisierung der Paarungsbereitschaft oder der Markierung von Wanderwegen.
Nahrung
BraunbĂ€ren sind Allesfresser, die aber ĂŒblicherweise in erster Linie pflanzliche Nahrung zu sich nehmen. So stehen GrĂ€ser, KrĂ€uter, SchöĂlinge, BlĂŒten, Wurzeln, Knollen, NĂŒsse und Pilze auf ihrem Speiseplan, im Sommer und Herbst machen Beeren einen wichtigen Bestandteil ihrer Nahrung aus. Auch Honig wird gefressen.cite-ref-56[56]
An fleischlicher Nahrung nehmen sie unter anderem Insekten und deren Larven, Vögel und deren Eier sowie Nagetiere, beispielsweise Erdhörnchen (wie Ziesel und Murmeltiere), Lemminge, Taschenratten und WĂŒhlmĂ€use zu sich. Mit Hilfe ihrer Krallen graben sie diese Beute aus deren Bauen. Insbesondere in den Rocky Mountains fressen sie auch gröĂere SĂ€ugetiere wie Elche, Rentiere, Wapitis, Bisons, WeiĂwedelhirsche und Gabelböcke. Von diesen Tieren fallen ihnen allerdings kaum gesunde erwachsene Tiere zum Opfer, meist töten und fressen sie kranke oder alte Exemplare sowie Jungtiere. Auch das Aas dieser Tiere wird verzehrt, vor allem im Winter umgekommene Exemplare nach dem Winterschlaf der BĂ€ren. Selten greifen sie auch SchwarzbĂ€ren oder sogar Artgenossen an. Wo sie in ihrer NĂ€he gehalten werden, fressen BraunbĂ€ren auch Weidetiere wie Schafe, Ziegen oder junge Rinder.
BraunbĂ€ren sind keine spezialisierten JĂ€ger gröĂerer SĂ€ugetiere, sie verfĂŒgen jedoch ĂŒber erhebliche KrĂ€fte. Huftiere werden meist durch Prankenhiebe auf Kopf oder Nacken getötet, daher ist hĂ€ufig der SchĂ€del oder die WirbelsĂ€ule des Beutetieres gebrochen. HĂ€ufig sind auch Bisse in den Hals- oder Schulterbereich. BĂ€ren öffnen dann meist die Bauch- oder die Brusthöhle und fressen die Innereien, sehr gerne auch das Euter. Diese charakteristische Bearbeitung der Beutetiere wird in SchadensfĂ€llen bei Haustieren fĂŒr die Identifizierung des Verursachers genutzt.cite-ref-57[57]
Manchmal vergraben BĂ€ren ihre Nahrung, um sie vor Nahrungskonkurrenten zu verbergen oder vor der Verrottung zu bewahren. Oft legen sie sich dann auf oder neben den Erdhaufen, um ihre Beute zu bewachen. Dieses Verhalten kann aber nur bei Nahrungsmangel beobachtet werden und kommt in Gebieten oder Perioden mit reichem Angebot nicht vor. Tiere, die ihre Nahrung solcherart bewachen, gelten als besonders aggressiv und greifen jeden Eindringling, auch Menschen, an.
In den KĂŒstenregionen, insbesondere am Pazifik, zĂ€hlen Lachse wĂ€hrend deren Laichwanderungen in den Sommermonaten zur bevorzugten Nahrung der BraunbĂ€ren. Die Fangtechniken variieren, so werden die Fische beispielsweise direkt aus dem Wasser gefischt oder in der Luft gefangen, wĂ€hrend sie kleine WasserfĂ€lle ĂŒberspringen. Vermutlich gehen die groĂen AusmaĂe der BĂ€ren in Alaska und Kamtschatka auf eine besonders fischreiche Nahrung zurĂŒck. Die BĂ€ren an den KĂŒsten und Fjorden ernĂ€hren sich auch gern von Muscheln, die sie bei Niedrigwasser ohne Probleme mit ihren groĂen Tatzen aus dem Sand ausgraben. Vom ausgestorbenen Kalifornischen BraunbĂ€ren ist bekannt, dass er Kadaver von gestrandeten Walen verspeiste.
Fortpflanzung
Als charakteristisch fĂŒr BraunbĂ€ren gelten eine hohe Lebenserwartung, eine vergleichsweise langsame Fortpflanzungsrate sowie ein spĂ€tes Eintreten der Geschlechtsreife.
Paarung und TrÀchtigkeit
BraunbĂ€ren sind polygam, das heiĂt, ein MĂ€nnchen kann sich mit mehreren Weibchen paaren. WĂ€hrend der Paarungszeit folgen oft mehrere mĂ€nnliche Tiere einem Weibchen, es kann dabei auch zu KĂ€mpfen unter den MĂ€nnchen um das Paarungsrecht kommen. Um zu verhindern, dass sich ein befruchtetes Weibchen erneut paart, bleiben die MĂ€nnchen ein bis drei Wochen bei diesem. Aus der Sicht der weiblichen Tiere macht es dagegen Sinn, sich mit verschiedenen Partnern zu paaren.
Die Paarungszeit fĂ€llt in die Monate Mai bis Juli. Nach dem Geschlechtsakt nistet sich die befruchtete Eizelle allerdings nicht gleich ein, sondern bleibt frei im Uterus. Dieses Stadium der Keimruhe kann fĂŒnf Monate dauern; erst zu Beginn des Winterschlafs kommt es zur Nidation, und die Tragzeit beginnt. Daher betrĂ€gt die Zeitspanne zwischen Fortpflanzung und Geburt 180 bis 270 Tage, wĂ€hrend die eigentliche TrĂ€chtigkeit mit ca. 42 bis 56 Tagen relativ kurz ist.
Geburt und Jungenaufzucht
Die Geburt fĂ€llt in die Zeit des Winterschlafs, in die Monate Januar bis MĂ€rz. Die WurfgröĂe betrĂ€gt eins bis vier, meist jedoch zwei oder drei Jungtiere. Wie alle BĂ€ren zĂ€hlen die BraunbĂ€ren zu den Plazentatieren mit dem gröĂten Gewichtsunterschied zwischen dem Weibchen und ihrem Wurf. Neugeborene sind 23 bis 28 Zentimeter lang und wiegen 340 bis 680 Gramm. Ihre Augen sind geschlossen und sie erscheinen nackt, obwohl sie mit kurzen grauen Haaren bedeckt sind. Jungtiere sind durch einen rundlichen SchĂ€del gekennzeichnet, der erst im Wachstum die langgestreckte Form des ErwachsenenschĂ€dels annimmt, ein Prozess, der sich ĂŒber ihr ganzes Leben erstrecken kann.
Weibchen haben ein Paar Zitzen an der Brust und zwei weitere am Bauch. Ihre Milch zeichnet sich durch einen hohen Protein- (6 bis 17 %), und Fettgehalt (20 %) aus. Darum wachsen die Jungtiere sehr schnell, mit drei Monaten wiegen sie bereits 15 Kilogramm, mit 6 Monaten 25 Kilogramm. Im ersten Sommer haben die jungen BraunbĂ€ren oft ein weiĂliches, V-förmiges Nackenmuster, das im zweiten Lebensjahr verblasst.
Mit rund fĂŒnf Monaten nehmen die jungen BraunbĂ€ren erstmals feste Nahrung zu sich, endgĂŒltig abgesetzt werden sie mit 1,5 bis 2,5 Jahren. Mindestens bis zum zweiten FrĂŒhling, meist aber bis zum dritten oder vierten, bleiben die Jungen bei ihrer Mutter, bis diese sie verjagt, um neuen Nachwuchs zu zeugen. Im Anschluss bleiben Geschwister manchmal noch fĂŒr zwei bis vier Jahre zusammen, sie spielen miteinander und gehen gemeinsam auf Nahrungssuche.
MÀnnliche Tiere erreichen die Geschlechtsreife mit rund 4,5 Jahren, Weibchen in der Regel etwas spÀter, mit rund vier bis sechs Jahren, in AusnahmefÀllen auch erst mit sieben oder acht. Ihr Wachstum setzt sich aber danach noch fort, ausgewachsen sind BraunbÀren erst mit 10 oder 11 Jahren.
Lebenserwartung und natĂŒrliche Bedrohungen
Eine Untersuchung im Yellowstone-Nationalpark hat die durchschnittliche Lebenserwartung der BraunbÀren auf sechs Jahre berechnet. Das mögliche Höchstalter von Tieren in freier Natur wird auf 20 bis 30 Jahre geschÀtzt, wie viele andere Tiere können BraunbÀren in menschlicher Obhut aber ein deutlich höheres Alter erreichen. Das Àlteste bislang bekannte Exemplar starb mit 47 Jahren, das potentielle Höchstalter von Tieren in Gefangenschaft wird auf 50 Jahre geschÀtzt.
Viele Tiere sterben an MangelernĂ€hrung oder Krankheiten. Insbesondere wĂ€hrend der Paarungszeit kommt es zum Infantizid, wenn Jungtiere von erwachsenen MĂ€nnchen attackiert werden. Auch FĂ€lle von Kannibalismus, das heiĂt, dass BraunbĂ€ren Artgenossen fressen, sind bekannt. Zum Tod können auch Verletzungen fĂŒhren, die ihnen von den Hörnern der Beutetiere zugefĂŒgt werden. In Gebieten, wo sich die Verbreitungsgebiete ĂŒberlappen, sind Pumas, Luchse, Wölfe oder VielfraĂe Nahrungskonkurrenten der BraunbĂ€ren. Erwachsene Tiere haben aber kaum natĂŒrliche Feinde, lediglich aus Sibirien gibt es Berichte, wonach sie manchmal dem Sibirischen Tiger zum Opfer fallen. Allerdings sind einige Parasiten bekannt: Zu den Ektoparasiten der BraunbĂ€ren zĂ€hlen Flöhe der Gattung Chaetopsylla und Zecken der Gattung Dermacenter. Als Endoparasiten sind unter anderem FadenwĂŒrmer (Baylisascaris transfuga) und Trichinen verbreitet.
Systematik
Externe Systematik
Der BraunbĂ€r ist einer der vier bis sechs lebenden Vertreter der Gattung Ursus, zu welcher auch der EisbĂ€r, der Amerikanische SchwarzbĂ€r, der Asiatische SchwarzbĂ€r, meist der MalaienbĂ€r und manchmal der LippenbĂ€r gezĂ€hlt werden. Der Ă€lteste bekannte Vertreter dieser Gattung ist Ursus minimus, ein relativ kleiner BĂ€r, der im PliozĂ€n lebte. Als Vorfahre des BraunbĂ€ren gilt Ursus etruscus, der den heutigen Tieren bis auf eine etwas urtĂŒmlichere Form der ZĂ€hne Ă€hnelte. Die Ă€ltesten Fossilienfunde des BraunbĂ€ren selbst sind rund 500.000 Jahre alt und stammen aus dem Zhoukoudian-Höhlensystem in China. Vor rund 250.000 Jahren kam die Art nach Europa, wo sie in mehreren Gebieten zusammen mit dem HöhlenbĂ€ren (Ursus spelaeus) koexistierte. WĂ€hrend der Weichseleiszeit wanderte die Art ĂŒber die damals trockene BeringstraĂe nach Nordamerika ein und erreichte, bevor sie vom Menschen zurĂŒckgedrĂ€ngt wurde, Gebiete bis zur Höhe von Ontario, Kentucky oder Nordmexiko. Möglicherweise ist dort das Aussterben der riesigen KurznasenbĂ€ren durch die Nahrungskonkurrenz des BraunbĂ€ren begĂŒnstigt worden.
Der EisbĂ€r gilt als der nĂ€chste Verwandte des BraunbĂ€ren und hat sich erst vor relativ kurzer Zeit, vermutlich im mittleren PleistozĂ€n, aus ihm entwickelt. In traditioneller Sichtweise werden die beiden als getrennte Arten gefĂŒhrt.
JĂŒngere Untersuchungen haben jedoch gezeigt, dass manche BraunbĂ€rpopulationen genetisch nĂ€her mit dem EisbĂ€ren verwandt sind als mit anderen BraunbĂ€ren. Nach kladistischen Gesichtspunkten ist der BraunbĂ€r somit eine âparaphyletische Artâ und wird als Musterbeispiel verwendet, um das gĂ€ngige Artkonzept in Frage zu stellen.
Untermauert wird diese Sichtweise damit, dass Braun- und EisbĂ€ren kreuzbar sind und sogar fertile Nachkommen produzieren können. Bis vor kurzem fehlten entsprechende Berichte aus der Natur, im April 2006 erlegte jedoch ein JĂ€ger auf der Banksinsel (Nordwest-Territorien, Kanada) einen vermeintlichen EisbĂ€ren. Dessen Fell war nicht richtig weiĂ oder gelblich, sondern zeigte eher ein sehr helles Braun. Eine DNA-Analyse durch Experten des Umweltministeriums der Nordwest-Territorien ergab, dass es sich bei dem erlegten Tier ĂŒberraschenderweise um einen Hybriden aus EisbĂ€r und GrizzlybĂ€r handelte.
FrĂŒhere Vermutungen, der EisbĂ€r sei nur eine, vergleichsweise junge, Sonderlinie des BraunbĂ€ren (der dadurch paraphyletisch wĂ€re) beruhen nach neueren Erkenntnissen auf Fehldeutung einer unerkannten Hybridisierung (mit Introgression).cite-ref-58[58]
In menschlicher Obhut sind auch Hybride zwischen Braun- und Amerikanischem SchwarzbĂ€r gezĂŒchtet worden, die Jungtiere starben jedoch innerhalb weniger Wochen.
Interne Systematik
Innerhalb des groĂen Verbreitungsgebietes der BraunbĂ€ren gibt es betrĂ€chtliche Unterschiede hinsichtlich der GröĂe und des Gewichtes, der SchĂ€delform, der FellfĂ€rbung und anderer morphologischer Merkmale. Aus diesem Grund wurden zahlreiche Unterarten beschrieben, ĂŒber deren Anzahl groĂe Meinungsunterschiede bestehen. Im Lauf der Forschungsgeschichte wurden dutzende Unterarten beschrieben, eine Zahl, die heute wieder nach unten korrigiert wurde. In modernen Systematiken werden meist folgende Unterarten unterschieden:
âą Der EuropĂ€ische BraunbĂ€r (Ursus arctos arctos) umfasst die BestĂ€nde in den Alpen, den PyrenĂ€en, in Ost- und SĂŒdeuropa sowie in Skandinavien. Zu dieser Unterart gehört auch der Kantabrische BraunbĂ€r.
âą Der Syrische BraunbĂ€r (U. a. syriacus) ist relativ kleinwĂŒchsig und hat eine hellbraune FĂ€rbung. Ob es sich bei diesem in der Kaukasusregion und Vorderasien heimischen Vertreter um eine eigenstĂ€ndige Unterart oder um eine lokale Variante des EuropĂ€ischen BraunbĂ€ren handelt, ist umstritten.
âą Der AtlasbĂ€r (U. a. crowtheri) umfasste die BestĂ€nde im nordafrikanischen Atlasgebirge, die im 19. Jahrhundert ausgerottet wurden. Manchmal wird er als eigenstĂ€ndige Art (Ursus crowtheri) gefĂŒhrt.
âą Der Sibirische BraunbĂ€r (U. a. beringianus) lebt im asiatischen Teil Russlands und ist ein groĂgewachsener Vertreter.
âą Der KamtschatkabĂ€r (U. a. piscator) ist ein auf der Halbinsel Kamtschatka beheimateter besonders groĂgewachsener Vertreter des Sibirischen BraunbĂ€ren. Er wird manchmal als eigene Unterart aufgefĂŒhrt. Er ist mit einer Kopf-Rumpf-LĂ€nge von 2,5 Meter und einem Gewicht von 600 Kilogramm der zweitgröĂte heute lebende BraunbĂ€r.
âą Der GrizzlybĂ€r (U. a. horribilis) bewohnt Nordamerika. Er ist krĂ€ftiger und schwerer als europĂ€ische BraunbĂ€ren und gilt als aggressiver. Grizzly stammt aus dem Englischen und bedeutet âgrĂ€ulichâ.
⹠Der Kalifornische Braun- oder GrizzlybÀr (U. a. californicus) ist ausgestorben. Er wurde aufgrund seiner FellfÀrbung im Englischen als Golden Bear bezeichnet und lebte im US-Bundesstaat Kalifornien sowie auf der Halbinsel Niederkalifornien.
⹠Der Mexikanische Braun- oder GrizzlybÀr (U. a. nelsoni) war im nördlichen Mexiko beheimatet. Er ist vermutlich in den 1960er Jahren ausgestorben.
âą Der KodiakbĂ€r (U. a. middendorffi), lebt auf der Insel Kodiak und benachbarten Inseln vor der SĂŒdkĂŒste Alaskas. Er ist mit einem Gewicht von bis zu 750 Kilogramm und einer KörperlĂ€nge (Kopf â Rumpf) von bis zu 2,70 Metern der gröĂte der heute lebenden BraunbĂ€ren.
⹠Der IsabellbÀr (U. a. isabellinus) ist nach seinem isabellfarbenen Fell benannt, er ist in Nordindien, im Himalaya und in Zentralasien beheimatet.
âą Der GobibĂ€r (U. a. gobiensis) kommt in Zentralasien und SĂŒdasien vor. Der Status dieser Unterart ist stark umstritten.
âą Der JessobĂ€r (U. a. lasiotus) lebt auf der japanischen Insel HokkaidĆ, in Russland und China.
Genetische Untersuchungen unterstĂŒtzen diese Einteilung jedoch nicht. Mittels Vergleichs der mitochondrialen DNA (mtDNA) wurden mehrere Abstammungslinien (Kladen) der BraunbĂ€ren festgestellt, mit teilweise erstaunlichen Ergebnissen: So gibt es in Europa zwei Abstammungslinien â eine umfasst die Tiere in Skandinavien und in SĂŒdeuropa, die zweite die Tiere in Osteuropa und Sibirien. Die KodiakbĂ€ren gehören zur selben Linie wie die weit kleineren Exemplare im Landesinneren Alaskas, und die Population auf dem Alexanderarchipel vor der SĂŒdostkĂŒste Alaskas reprĂ€sentiert eine gĂ€nzlich eigene Linie, die genetisch den EisbĂ€ren nĂ€hersteht als den Tieren auf dem Festland.
Mensch und BraunbÀr
BraunbÀren in der Kultur
Der BraunbĂ€r spielt, vermutlich aufgrund seiner GröĂe und Kraft, in der Kulturgeschichte eine bedeutende Rolle. Er hat Eingang in zahlreiche Mythen gefunden, ist ein hĂ€ufiges Motiv in der Heraldik und kehrt auch in vielen MĂ€rchen, literarischen Werken und Filmen wieder. Auch einige Vornamen leiten sich von ihm ab. Allerdings wird nahezu ĂŒberall nicht explizit vom BraunbĂ€ren, sondern nur vom âBĂ€renâ gesprochen. Da er aber in Europa die einzige in geschichtlicher Zeit lebende BĂ€renart war, lassen sich zumindest auf diesem Kontinent die Verweise als auf den BraunbĂ€ren bezogen betrachten.
Etymologie und Benennung
Das eigentliche Wort fĂŒr â(Braun-)BĂ€râ im Urindogermanischen hatte die Wortwurzel *áčktos, wie aus Wörtern wie griechisch arktos und lateinisch ursus (< *urcsus < *urctus) zu schlieĂen ist. Auch in einigen keltischen Sprachen ist die Wurzel erhalten, so im Altirischen (art), im Walisischen (arth) und im Bretonischen (arz). Die Wurzel taucht auch in den Namen der keltischen Gottheiten Artaios und Artio auf sowie bei den Griechen in den Namen der mythologischen Figuren Artemis und Arkas. Auch im Altindischen lĂ€sst sich diese Wurzel nachweisen (Sanskrit áčkáčŁa à€à€à„à€·).
Die Wortwurzel BĂ€r kommt nur in germanischen Sprachen vor (Althochdeutsch bero, englisch bear, niederlĂ€ndisch beer, skandinavisch björn) und wird von einigen Sprachwissenschaftlern von einem alten Wort fĂŒr braun abgeleitet. Aufgrund dieser Sonderstellung der germanischen Sprachen wird vermutet, dass das Wort bei den Germanen als eine Art von Tabuwort (âBraunerâ statt âBĂ€râ) entstanden ist, mit dessen Hilfe aus magischen GrĂŒnden die Verwendung des eigentlichen BĂ€renwortes vermieden werden sollte, um das mĂ€chtige Raubtier nicht beschwörend âherbeizurufenâ.
Ein Ă€hnlicher Effekt ist in den slawischen Sprachen zu beobachten, wo der BĂ€r regelmĂ€Ăig mit einem Wort fĂŒr Honigfresser (russisch ĐŒĐ”ĐŽĐČДЎŃ, polnisch niedĆșwiedĆș, tschechisch medvÄd, slowenisch medved) benannt wird.
Der wissenschaftliche Name des BraunbĂ€ren, Ursus arctos, geht auf Carl von LinnĂ© zurĂŒck und verbindet den lateinischen Namen des BĂ€ren, ursus, als Gattungsnamen und die griechische Bezeichnung arktos als Artname.
Mythologie und Kult
Höhlenmalereien von BĂ€ren und Hinweise auf einen möglichen âBĂ€renkultâ finden sich bereits im JungpalĂ€olithikum, unklar ist aber, inwieweit es sich dabei eher um den ausgestorbenen HöhlenbĂ€ren und nicht um den BraunbĂ€ren gehandelt hat.
In der griechischen Mythologie wird die Nymphe Kallisto, eine Begleiterin von Artemis, mit der sie manchmal gleichgesetzt wird, von Zeus verfĂŒhrt. Nach der Geburt ihres Sohnes Arkas wird sie entweder von Zeusâ eifersĂŒchtiger Gattin Hera oder von Artemis, die ĂŒber den Verlust von Kallistos JungfrĂ€ulichkeit entsetzt war, in einen BĂ€ren verwandelt. Jahre spĂ€ter tötete Arkas seine Mutter beinahe, als er auf der Jagd war und sie fĂŒr einen gewöhnlichen BĂ€ren hielt. Doch Zeus hielt ihn davon ab, verwandelte ihn auch in einen BĂ€ren und setzte beide als GroĂer BĂ€r und Kleiner BĂ€r an den Sternenhimmel. Beide sind an ihrem Schwanz in den Himmel geschleudert worden, wodurch sie ihren untypischen Schweif bekamen. Die Bezeichnung Arktis leitet sich davon ab und bedeutet Land unter dem (Sternbild des) GroĂen BĂ€ren.
Die Kelten kannten BĂ€rengottheiten. So wurde bei den Helvetiern die BĂ€rengöttin Artio verehrt, wobei diese möglicherweise die Herkunft des Berner Wappentiers ist. Andere keltische BĂ€rengottheiten waren Artaios und Matunus. In keltischen ErzĂ€hlungen nimmt der BĂ€r als âKönig der Tiereâ eine Ă€hnliche Rolle ein wie spĂ€ter der Löwe. In welcher Beziehung der Name des sagenhaften Königs Artus zum keltischen Wort fĂŒr BĂ€r â art â steht, ist umstritten.
Aus der Nordischen Mythologie stammt die Vorstellung, bestimmte Menschen können sich in BĂ€ren verwandeln oder deren Eigenschaften annehmen. Bekannt sind die Berserker, die als Inbegriff des entfesselten KĂ€mpfers gelten. Der Name Beowulf aus dem bekannten angelsĂ€chsischen Epos ist eine Kenning fĂŒr BĂ€r und steht möglicherweise in dieser Tradition. Das Motiv von Menschen, die BĂ€rengestalt annehmen können, taucht beispielsweise auch in der Gestalt des Beorn in Tolkiens Roman Der Hobbit auf. Auch im lettischen Nationalepos LacplÄsis spielt der BĂ€r eine wichtige Rolle, indem ein mythischer Held, halb BĂ€r, halb Mensch, zum Retter des lettischen Volkes aufsteigt.
Auch von anderen eurasischen Völkern sind mythische oder kultische Vorstellungen ĂŒberliefert. Im finnischen Nationalepos Kalevala gibt es Hinweise auf eine BĂ€renverehrung. Es war verboten, den eigentlichen Namen des BĂ€ren, oksi, auszusprechen, sodass Umschreibungen wie metsĂ€n kuningas (âKönig des Waldesâ), otso (eine Ableitung von oksi) oder karhu (ursprĂŒnglich eine Bezeichnung fĂŒr das BĂ€renfell, heute die Standardbezeichnung fĂŒr âBĂ€râ) gebraucht wurden. Nachdem ein BĂ€r erlegt worden war, gab es Zeremonien, um den Geist des BĂ€ren zu besĂ€nftigen. Auch die Samen kannten einen BĂ€renkult, eine eigene Jagdzeremonie fĂŒr BĂ€ren. Bei den Ainu ist bis ins 20. Jahrhundert ein BĂ€renopfer bezeugt: Ein junger BĂ€r wurde gefangen, ĂŒber Monate hinweg ernĂ€hrt und in einem Ritual geopfert.
Manche tengristische Völker Zentral- und Nordasiens wie zum Beispiel die Ewenken sehen den BÀren als heiligen Ahnen. Er gilt in Sibirien als der Herrscher der Wildnis. Seinen Namen auszusprechen gilt als Tabu, daher wird er mit anderen Worten beschrieben.
In indianischen Mythen und im Kult finden sich ebenfalls zahlreiche BezĂŒge zum BĂ€ren: es gab BĂ€ren-Clans, BĂ€rentĂ€nze, der BĂ€r fand als Totemtier Verwendung und auch bei der Namensgebung, zum Beispiel Big Bear oder Sun Bear. Anzumerken ist aber, dass es in Nordamerika neben dem BraunbĂ€ren auch noch den SchwarzbĂ€ren gibt, die Ă€uĂerlich manchmal nur schwer zu unterscheiden sind und im mythisch-kultischen Bereich meist auch nicht getrennt wurden.
Heraldik
In der Heraldik ist der BĂ€r ein hĂ€ufiges Motiv, das Macht und StĂ€rke widerspiegelt. Oft kommt er in sogenannten âredenden Wappenâ vor, in Wappen fĂŒr Personen oder Orte, in deren Namen ein wie âBĂ€râ klingender Bestandteil vorkommt, unabhĂ€ngig von der Etymologie. Bekanntes Beispiel ist der âBerliner BĂ€râ im Wappen Berlins. Im Alpenraum sind das Wappen der Schweizer Hauptstadt und des Kantons Bern sowie die der österreichischen Ortschaften Petzenkirchen und den beiden Orten Berndorf in Salzburg oder Berndorf in Niederösterreich weitere Beispiele.
In verschiedenen Heiligenlegenden der SpĂ€tantike bzw. des frĂŒhen Mittelalters â auch hier vor allem aus dem Alpenraum â werden Begegnungen von christlichen Missionaren mit BĂ€ren geschildert, in denen der Heilige zeigt, dass er Macht ĂŒber das stĂ€rkste Raubtier ausĂŒben kann, was zur Demonstration der Macht Gottes verwendet wurde. Diese Geschichten werden dem Hl. Gallus und dem Hl. Korbinian zugeschrieben. So kommt es vor, dass Orte, die von diesen Heiligen gegrĂŒndet oder nach ihnen benannt wurden, spĂ€ter den BĂ€ren als Wappentier angenommen haben. Im Fall des Hl. Gallus ist dies beispielsweise im Wappen der Abtei und der Stadt St. Gallen der Fall. Der KorbiniansbĂ€r ist unter anderem im Wappen der Stadt Freising und im Wappen des Erzbistums MĂŒnchen-Freising zu sehen. Papst Benedikt XVI. war hier eine Zeit lang Erzbischof und hat das Motiv in sein Papstwappen ĂŒbernommen.
Allgemein gilt der Alpenraum als RĂŒckzugsgebiet der BĂ€ren, so dass hier auch zum Zeitpunkt der Wappenentstehung noch hĂ€ufig BĂ€ren anzutreffen waren, die dann als Wappentiere angenommen wurden. Dies ist bei den beiden Halbkantonen Appenzell Ausserrhoden und Innerrhoden sowie bei der Ortschaft Mannenbach der Fall.
Der FĂŒrst Bernhard III. von Anhalt-Bernburg fĂŒhrte im Jahre 1323 ein heraldisches BĂ€renmotiv in seinem Reitersiegel. Dieses BĂ€renmotiv wurde zum Wappen der Linie Anhalt-Bernburg des FĂŒrstenhauses der Askanier, dessen berĂŒhmtester Vertreter der spĂ€ter so genannte Albrecht der BĂ€r war. In dieser Linie gab es von 1252 bis 1468 sechs Herzöge mit Namen Bernhard. Das Wappen mit dem BĂ€ren wurde zum Wappen des Herzogtums und spĂ€teren Freistaates Anhalt und ist heute im Wappen des Bundeslandes Sachsen-Anhalt vertreten: Im weiĂen Feld ein schwarzer, schreitender BĂ€r auf einer schwarzgefugten, roten Zinnenmauer mit geöffnetem Tor.
Durch die Heirat einer Erbtochter kam das BÀrenwappen der westfÀlischen Grafen von Rietberg in das bis heute verwendete Wappen von Ostfriesland.
Besonders originell ist das Wappen der historischen Grafschaft Hoya, das bis heute von der Samtgemeinde Grafschaft Hoya gefĂŒhrt wird; es zeigt zwei abgewendete, durch einen Hautfetzen verbundene BĂ€rentatzen. Einzelne abgehackte BĂ€rentatzen bilden ein vergleichsweise hĂ€ufiges Motiv in den Wappen deutscher Adelsfamilien. Das rĂŒhrt vermutlich daher, dass die Tatzen als einzige Teile eines erlegten BĂ€ren gelten, die fĂŒr den menschlichen Genuss geeignet sind und deshalb als Jagdbeute mit nach Hause gebracht wurden.
BÀren weisen unter anderem auch das Wappen der russischen Republik Karelien und Flagge und Siegel des US-Bundesstaates Kalifornien auf. Letztere zeigen die ausgestorbene Unterart Kalifornischer BraunbÀr (Ursus arctos californicus).
Meist sind die BraunbĂ€ren nicht in ihrer natĂŒrlichen Farbe abgebildet, sondern in schwarz, rot oder gold. Das rĂŒhrt daher, dass Braun keine heraldische Farbe ist und daher oft auf die nĂ€chstliegenden Farben zurĂŒckgegriffen wurde.
Weitere Wappenabbildungen: BĂ€ren in der Heraldik auf Commons
MĂ€rchen, Literatur und Film
In MĂ€rchen und Fabeln spielt der BraunbĂ€r, als âMeister Petzâ oder âBraunâ bezeichnet, eine in der Regel gutmĂŒtige, manchmal etwas tollpatschige Figur. In der Literatur, insbesondere in der Kinderliteratur sowie im Zeichentrickfilm finden sich zahlreiche Ableger dieses Motivs, darunter âBalou der BĂ€râ aus dem Dschungelbuch, KĂ€ptân BlaubĂ€r, Pu der BĂ€r, Petzi und viele andere. Bei SchneeweiĂchen und Rosenrot schlieĂlich erweist sich der hilfreiche BĂ€r als ein verwandelter Mensch.
Der Spielfilm Der BĂ€r (Lâours) von Jean-Jacques Annaud beschreibt die Geschichte eines verwaisten BĂ€renjungen, das in der kanadischen Wildnis von einem mĂ€nnlichen BĂ€ren âadoptiertâ wird. Der Film ist aus Sicht der BĂ€ren erzĂ€hlt und enthĂ€lt kaum herkömmliche Dialoge.
Sonstiges
In der Börse steht der Begriff âBĂ€renmarktâ im Gegensatz zum âBullenmarktâ fĂŒr sinkende Kurse (Baisse). Diese Bezeichnung geht auf TierkĂ€mpfe zurĂŒck, die im 19. Jahrhundert in den USA abgehalten wurden.
Eine Reihe von Vornamen leiten sich vom BĂ€ren ab, darunter die deutschen Namen Bernhard und Bernward, das aus dem Nordgermanischen stammende Björn, aus dem Keltischen Artur, oder die auf die lateinische Bezeichnung Ursus zurĂŒckgehenden Namen Urs und Ursula. Auch Sportmannschaften und andere Vereine tragen die Bezeichnung âBĂ€renâ oder englisch âBearsâ in ihrem Namen, beispielsweise die Bergkamener BĂ€ren oder die Chicago Bears. ErwĂ€hnt seien an dieser Stelle noch zahlreiche Markennamen, die an den BĂ€ren angelehnt sind, wie der Likör BĂ€renfang, die Kaffeesahne BĂ€renmarke und das BĂ€renpils von Berliner Kindl.
Auch fĂŒr den TeddybĂ€ren stand der BraunbĂ€r Pate. Richard Steiff wurde durch die BraunbĂ€ren im Stuttgarter Zoo dazu inspiriert, auch wenn es sich bei der legendenhaften ErzĂ€hlung der Entstehung des Namens um ein SchwarzbĂ€rbaby gehandelt hat, das von Theodore âTeddyâ Roosevelt verschont wurde.
Ein schlechter Dienst, den man jemandem leistet, heiĂt redensartlich BĂ€rendienst.
Der Umgang mit realen BraunbÀren
BraunbÀren in Gefangenschaft
Die Verwendung von BraunbĂ€ren als Objekte der Unterhaltung hat eine weitreichende Geschichte. Mit Netzen und Fallgruben gefangene BĂ€ren â in den Legionen des Römischen Reiches gab es speziell ausgebildete âursariiâ â wurden ab etwa 169 v. Chr. in groĂer Zahl nach Rom transportiert.
Seit Caesars Regierungszeit wurden BĂ€ren zu Tausenden in Zirkusspielen getötet. Die BĂ€renhatz, also die öffentliche Tötung von BĂ€ren, blieb bis in die frĂŒhe Neuzeit hinein eine beliebte VergnĂŒgungsveranstaltung. BĂ€renkĂ€mpfe, bei denen man BĂ€ren gegeneinander oder gegen Hunde kĂ€mpfen lĂ€sst, waren ebenfalls frĂŒher verbreitet. Heute finden solche Darbietungen noch in Teilen Asiens statt, allerdings mit Asiatischen SchwarzbĂ€ren.
Gefangene und abgerichtete BĂ€ren waren in Europa als TanzbĂ€ren bis in das 20. Jahrhundert hinein eine Jahrmarktsattraktion. Auch in der Zirkusdressur spielten BĂ€ren eine wichtige Rolle. Sie gelten fĂŒr den TierbĂ€ndiger als die gefĂ€hrlichsten Raubtiere. Durch das Erstarken des Tierschutzes im öffentlichen Bewusstsein sind diese Erscheinungen seit etwa einem halben Jahrhundert rĂŒcklĂ€ufig. Vielerorts werden bis heute BraunbĂ€ren gehalten. WĂ€hrend sich Zoos heutzutage vermehrt um eine artgerechte Haltung bemĂŒhen, entspricht die Unterbringung der Tiere in BĂ€rengrĂ€ben oder KĂ€figen in der Regel nicht den modernen Anforderungen des Tierschutzes.
Zusammenleben mit BraunbÀren
Aufgrund seiner groĂen Kraft kann ein einziger Biss oder Prankenhieb eines BĂ€ren beim Menschen schwere Verletzungen oder sogar den Tod verursachen. FĂŒr gewöhnlich greifen sie Menschen jedoch selten an; sie fliehen, wenn sie Menschen nahen hören. Es gibt allerdings Situationen, in denen sie gefĂ€hrlich werden können. Dazu zĂ€hlen die Begegnung mit verletzten Tieren, mit MĂŒttern, die Jungtiere bei sich haben, mit Tieren, die an Kadavern fressen oder wenn der Mensch einen Hund bei sich hat.
Es gibt eine Reihe von Verhaltensregeln, die beispielsweise von den Nationalparkverwaltungen in Nordamerika herausgegeben werden. Durch LĂ€rm durch Sprechen, Singen oder ein Glöckchen am Stiefel soll verhindert werden, dass ein BĂ€r ĂŒberrascht und erschreckt wird. Provokatives oder bedrohendes Verhalten sollte vermieden werden, dazu zĂ€hlen auch Versuche, das Tier zu verscheuchen. Im Fall eines Angriffes soll man nicht weglaufen, sondern sich tot stellen.
Trotzdem kommt es nahezu jedes Jahr in Nordamerika und Asien, selten auch in Europa, zu vereinzelten TodesfĂ€llen, die gegebenenfalls auf provokantes oder unvorsichtiges Verhalten der Menschen zurĂŒckzufĂŒhren sind.
Bekannt in Europa wurde 2006 der BraunbĂ€r âBrunoâ, korrekter Name âJJ1â, der wegen vermuteter Bedrohlichkeit (âProblembĂ€râ) nach mehreren AktivitĂ€ten in der NĂ€he menschlicher Siedlungen im Gebiet Spitzingsee erlegt wurde. Vorgang und BegleitumstĂ€nde wurden kontrovers diskutiert.cite-ref-59[59]
Jagd auf BraunbÀren
Gaston PhĂ©bus, der Graf von Foix, verfasste in den 1380er Jahren sein vielfach kopiertes und zitiertes Livre de Chasse (deutsch: âJagdbuchâ), in dem er auch Einzelheiten ĂŒber die Lebensweise der BĂ€ren mitteilte und Empfehlungen zur Jagd auf den BĂ€ren aussprach. So sollte man zur Jagd auf den BĂ€ren Bogen- oder ArmbrustschĂŒtzen mitnehmen. Wenn die Hunde den BĂ€ren gestellt hĂ€tten, seien mindestens zwei MĂ€nner zum Abfangen des BĂ€ren mit SpieĂen (BĂ€renspieĂ oder BĂ€renfeder, Ă€hnlich der Saufeder) notwendig, wobei einer den BĂ€ren verletzen und auf sich lenken solle, der zweite dann den BĂ€ren gezielt von hinten abfangen könne. Ein Schwert, wie bei Wildschweinen hĂ€ufig verwendet, eigne sich zum Abfangen des BĂ€ren nicht, vermutlich weil der JĂ€ger dann in die Reichweite der tödlichen Pranken des BĂ€ren kommt. Das Fleisch sei nicht sehr schmackhaft, eine Delikatesse seien dagegen die BĂ€rentatzen.
Neben dem Aspekt der Unterhaltung wurden BraunbĂ€ren vielfach auch gejagt, um ihre Körperteile zu nutzen. Diese Bejagung ist von vielen Völkern Eurasiens und Nordamerikas bekannt und war oft mit rituellen Zeremonien verbunden. Das Fleisch der BĂ€ren wurde gegessen, das Fell fĂŒr Kleidung oder Decken verwendet, Krallen und ZĂ€hne wurden zu SchmuckstĂŒcken verarbeitet. Auch (vermeintlich) medizinische oder aberglĂ€ubische GrĂŒnde waren ausschlaggebend: In römischer Zeit wurden beispielsweise Fett, Galle, Blut und Hoden teils gegen verschiedene Krankheiten, teils in der Landwirtschaft gegen Raupen, LĂ€use und FrostschĂ€den angewandt. In der traditionellen Chinesischen Medizin spielt die GallenflĂŒssigkeit der BĂ€ren bis heute eine wichtige Rolle. Zwar werden vorrangig Asiatische SchwarzbĂ€ren dafĂŒr erlegt oder sogar gehalten, diese Art wird aber immer seltener. Die Gewinnung der Galle ist einer der GrĂŒnde, weswegen heute auch zahlreiche BraunbĂ€ren, insbesondere in Asien, gewildert werden.
Ein weiterer Grund fĂŒr die Bejagung der BraunbĂ€ren war die Sicht als Nahrungskonkurrent, der Weidetiere wie Schafe, Ziegen und Rinder reiĂt, Fischteiche plĂŒndert und Bienenstöcke aufbricht. WĂ€hrend unbestritten ist, dass solche VorfĂ€lle passieren, ist das AusmaĂ der tatsĂ€chlichen SchĂ€den ungewiss und dĂŒrfte oft ĂŒbertrieben dargestellt werden. HĂ€ufig war auch der Mensch die Hauptursache dafĂŒr, indem er massiv in den natĂŒrlichen Lebensraum der BĂ€ren eingriff und sie so zwang, sich neue Nahrungsquellen zu erschlieĂen.
Heute noch immer verbreitet ist die Jagd auf BraunbĂ€ren, die im Gegensatz zur frĂŒheren wirtschaftlichen Nutzung als reine TrophĂ€enjagd durchgefĂŒhrt und auch von heimischen Reiseveranstaltern angeboten wird. Dabei wird ein BĂ€r durch regelmĂ€Ăige FĂŒtterung an einen Platz gebunden. Sobald der BĂ€r regelmĂ€Ăig am Luderplatz erscheint, kann ein Jagdgast eingeladen werden, der ohne groĂe Anstrengung den BĂ€ren erschieĂen kann.
Literatur
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Belletristik
âą Lew Tolstoi: Die BĂ€renjagd. Sankt Petersburg 1875.
Weblinks
Commons
: BraunbÀr (
Ursus arctos
)
â Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: BraunbÀr
â BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Ăbersetzungen
âą Literatur von und ĂŒber BraunbĂ€r im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
⹠Ursus arctos in der Roten Liste gefÀhrdeter Arten der IUCN 2008. Eingestellt von: B. N. McLellan, C. Servheen, D. Huber, 2008. Abgerufen am 24. Februar 2008.
âą Informationen des Schweizer Bundesamts fĂŒr Umwelt mit (âKonzept BĂ€râ) (Memento vom 17. September 2014 im Internet Archive)
âą Homepage der deutschen Stiftung fĂŒr BĂ€ren
âą waldwissen.net â Dossier GroĂraubtiere (Memento vom 11. Januar 2013 im Internet Archive)
⹠BÀren in RumÀnien
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Einzelnachweise
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